Jenseits von Silo-Denken: Wie Zusammenarbeit den Unternehmenserfolg steigert
- Erik Esly
- 28. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Ob Industrie-Gigant oder Startup – oft existieren in Unternehmen regelrechte Parallelwelten. Abteilungen optimieren ihre Prozesse isoliert, priorisieren interne KPI's und schieben Risiken weiter, statt sie gemeinsam und strategisch zu steuern.

Wer kennt das nicht? Im Procurement liegt der Fokus auf Einsparungen, während in der Supply Chain Meetings aufeinander folgen, um operative Engpässe aufgrund unzureichender Lieferantenperformance zu bewältigen.
Dieses Bild steht stellvertretend für viele ähnliche Szenarien. So entstehen Silos – unsichtbare Mauern, die Teams und Bereiche voneinander isolieren und trotz gemeinsamer Unternehmensziele die Zusammenarbeit erschweren.

Letzten Endes kann man alle wirtschaftlichen Vorgänge auf drei Worte reduzieren: Menschen, Produkte und Profite. Die Menschen stehen an erster Stelle. Wenn man kein gutes Team hat, kann man mit den beiden anderen nicht viel anfangen.
Lee Iacocca, US Automobil Manager, Former CEO Chrysler Corporation
Das Resultat: langsame Entscheidungen, doppelte Arbeit, Innovationsblockaden und am Ende nicht selten unzufriedene Kunden. Silodenken ist keine Frage des Mindsets allein, sondern häufig eine Folge von Organisationsdesign, Strukturen und Anreizsystemen.
Unternehmen die erfolgreich sein wollen, müssen diese Silos aufbrechen – das Zeigen aktuelle Studien und eindrucksvolle Praxisbeispiele.
Raus aus dem Silo-Denken – mit vereinten Kräften zum Turnaround: Das Erfolgsmodell von Chrysler und Iacocca
Der legendäre US-Manager Lee Iacocca übernahm 1979 bei Chrysler die Führung, als das Unternehmen kurz vor der Insolvenz stand. 1978 entstand ein Verlust von etwa 205 Millionen USD - verursacht durch eine Rezession, stark gestiegenen Ölpreisen und dem Wettbewerb mit sparsamen Importfahrzeugen vor allem aus Japan und Deutschland, was zu einer Überproduktion und hohen Lagerbeständen mit über 80.000 unverkauften Fahrzeugen führte.
Die damalige Ausgangssituation erinnert an die Herausforderungen, vor denen Unternehmen heute durch globale Krisen und schnelle Marktveränderungen stehen – Chrysler beschäftigte zu diesem Zeitpunkt 170.000 Mitarbeiter.
Initial wichtig war Iacoccas Erfolg bei der Sicherung von 1,5 Milliarden USD an staatlichen Kreditgarantien durch den Chrysler Corporation Loan Guarantee Act von 1979, unterzeichnet von Präsident Jimmy Carter. Dieses Darlehen war eine der größten Rettungsaktionen für ein privates Unternehmen zu dieser Zeit und stellte sicher, dass Chrysler handlungsfähig blieb.
Durch konsequente bereichsübergreifende Restrukturierung, engere Zusammenarbeit zwischen Einkauf, Supply Chain, Finanzen, IT, Produktion und Marketing sowie Innovationen erzielte Chrysler bis Mitte der 1980er Jahre eine Umsatzsteigerung von ca. 17 Milliarden USD auf über 30 Milliarden USD.
Gleichzeitig wurden hohe Kostensenkungen realisiert, unter anderem durch Reduktion der Gesamtkosten von 4,5 Milliarden USD (1979) auf etwa 3,1 Milliarden USD (1982).
Bis Mitte der 1980er Jahre konnte Chrysler die Darlehen komplett zurückzahlen und wurde wieder profitabel – beispielhaft für den Erfolg von Iacoccas integrativer Führung, die Silos überwunden und Bereiche vernetzt hat, um das Unternehmen zu retten und wieder zukunftssicher zu machen.

Silos als strategische Barrieren: Zentrale Erkenntnisse aus der Deloitte Global CPO Survey 2025
Die Deloitte Global CPO Survey 2025 identifiziert Silos als große Hürde für Wertschöpfung und Widerstandskraft: Über 56 % der Führungskräfte in Einkauf sehen siloartige Arbeitsweisen und Silo-Denken als eine der drei größten Barrieren. Silos erschweren funktionsübergreifende Zusammenarbeit, erhöhen interne Kosten und untergraben die Resilienz von Lieferketten.
Veränderung erfordert Investitionen in Talententwicklung, wirkungsvolle Operating Models und den gezielten Einsatz moderner Technologien wie Generative AI, Robotic Process Automation (RPA) und Prozessorchestrierung. (Quelle: Deloitte Global CPO Survey 2025 siehe Link am Ende des Artikels),
Fünf bewährte Hebel, um Silos zu aufzubrechen
Bereichsübergreifende Teams formen
Führen Sie funktionsübergreifende Projekte ein, um Zusammenarbeit und gegenseitiges Verständnis verbindlich zu stärken.
Gemeinsame End-to-End-Ziele definieren
Messen Sie Erfolg nicht isoliert, sondern entlang der kompletten Wertschöpfungskette – für echte Teamverantwortung.
Agile Methoden und digitale Werkzeuge einsetzen
Beschleunigen Sie Prozesse und schaffen Sie Transparenz durch Scrum, Kanban und moderne Kollaborationsplattformen.
Technologie strategisch nutzen
Verbinden Sie Menschen und Daten effizient mit KI, Automatisierung und prozessorientiertem Management.
Führung neu gestalten
Gestalten Sie Führung als Netzwerkbrücke, die Silos überwindet und bereichsübergreifende Zusammenarbeit ermöglicht.
Silos sind strukturelle Herausforderungen, die vor allem die Führungsebene, aber auch alle Mitarbeitenden in die Verantwortung nehmen und gemeinsam gelöst werden müssen. Dieser Weg ist unverzichtbar in wettbewerbsintensiven Märkten – und erfordert Mut, Haltung und aktiv konsequentes Handeln.
Setzen Sie auf Zusammenarbeit Ihrer Teams – und sichern Sie sich Tempo, Innovation und Kundenzufriedenheit.
Quellenhinweise & Ressourcen zum Thema
Deloitte Global CPO Survey July 2025



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